Rückblick
Eschede: Kein ruhiges Hinterland für Neonazis
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 06. November 2009 um 00:00 Uhr

Am 19. Dezember wollen Neonazis aus Norddeutschland wieder zu einer "Wintersonnenwendfeier" im niedersächsischen Eschede zusammen kommen. Dort finden seit Jahren regelmäßig größere Nazitreffen statt.
Auf dem Hof des NPD-Mitglieds Joachiam Nahtz können sie sich im privaten Rahmen treffen und werden noch von der Polizei geschützt. Der Hof ist mittlerweile der wichtigste Nazitreffpunkt in Norddeutschland.
Im Jahr 2008 fanden zwei antifaschistische Demonstrationen in Eschede statt. In diesem Jahr bislang drei kleine Gegenaktionen, die von Bürger_innen aus Eschede, dem DGB oder dem Celler Forum gegen Rechts initiiert wurden. Im Dezember soll jetzt eine größere Bündnisdemo stattfinden, an der sich alle Initiativen gegen die Nazitreffen beteiligen sollen.
Die Antifaschistische Aktion Lüneburg-Uelzen hat im Oktober eine Standortbestimmung zur Situation in Eschede veröffentlicht. Kein ruhiges Hinterland für Neonazis!
Hintergründe und Überlegungen zur weiteren antifaschistischen Arbeit in Eschede

"Das Problem mit den Nazitreffen in Eschede könnte mensch damit lösen, das der Hof von Joachim Nahtz abgerissen wird, das Gelände umgepflügt und dort dann Bäume gepflanzt werden. Dies scheint zurzeit noch nicht als sehr realistisch, sollte aber als eine Option im Gedächtnis verbleiben. Solange das antifaschistische Abrissunternehmen noch nicht bestellt werden kann, geht es darum, eine langfristige Perspektive zu entwickeln und die verschiedenen Initiativen zusammenführen und langfristig eine gemeinsame Basis zu schaffen, die zumindest das Ziel formuliert, die Nazitreffen nicht unbeantwortet zu lassen und nicht die Augen vor den Naziaktivitäten in Eschede und im Landkreis Celle zu verschließen."

Seit Jahrzehnten besteht mit dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede ein Treffpunkt für Neonazis mit überregionaler Bedeutung. An keinem anderen Ort in Norddeutschland fanden so häufig und regelmäßig größere Naziveranstaltungen statt. Dies meist ungestört und geschützt durch die Polizei.
Dabei haben die Sonnenwendfeiern im Juni und Dezember besondere Bedeutung bei einer Zelebrierung nationalsozialistischer Ideologie. Am 19. Dezember 2009 wollen Neonazis in Eschede wieder eine "Wintersonnenwendfeier" durchführen.


Sonnenwendfeuer löschen!

Ursprünglich ist die Sonnwendfeier ein heidnisches Fest, das von der Bevölkerung Europas bereits vor der Christianisierung gefeiert wurde. Es gibt jeweils eine Winter-, sowie eine Sommersonnenwende. Vor allem die Sommersonnenwende wurde als Beginn des Sommers und somit als Beginn der fruchtbaren und warmen Zeit gefeiert. Das Abbrennen von Holzstößen und das Überspringen des Feuers sollen Erneuerung, Reinigung und Fruchtbarkeit symbolisieren. Vor allem in skandinavischen Ländern gelten die Sonnenwendfeiern als übliche Brauchtumspflege und werden für gesellschaftliche Feste genutzt.

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Neonazi "Erntedank" in Eschede
Geschrieben von: Administrator   
Samstag, den 26. September 2009 um 00:00 Uhr

Am Samstag, dem 26.September 2009 fand im niedersächsischen Eschede ein neonazistisches "Erntedankfest" statt. Rund 150 Neonazis aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg sowie Sachsen-Anhalt fanden sich auf dem dortigen Anwesen des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz ein.
Unter ihnen befanden sich auch etwa 20 Kleinkinder.


Die niedersächsische Polizei war mit einer Hundertschaft präsent und kontrollierte anreisende Teilnehmer_innen der Veranstaltung am Zufahrtsweg des sogenannten "Hof Nahtz". Zeitgleich versammelten sich etwa 50 Gegendemonstrant_innen auf der gegenüberliegenden Straßenseite und protestierten mit einer Mahnwache gegen die Veranstaltung, die neben regelmäßig stattfindenden Sommer- und der Wintersonnenwendfeiern, inzwischen zu einem festen Termin vor den Toren der Ortschaft Eschede geworden ist.

Brauchtumsfeiern wie Sonnenwenden oder Erntedankfeste stärken die Neonazi-Szene nach innen. Nach dem Vorbild des Dritten Reiches soll die Gesinnungsgemeinschaft durch gemeinsame Rituale für die ganze Familie gefestigt werden. Im Nationalsozialismus galt der „Nährstand“, also die Bauern, als tragende Säule der „Volksgemeinschaft“. 1933 nahmen eine halbe Million Menschen am „Deutschen Erntedankfest“ mit Adolf Hitler am Bückeberg bei Hameln teil. Das Motto lautete: „Blut – Boden – Arbeit“.
Im Laufe der Jahre stiegen die Zahlen auf über 1,3 Millionen Teilnehmer aus dem gesamten Reichsgebiet. „Im Rausch der feierlichen Atmosphäre des öffentlichen Festes steigerte sich die Empfänglichkeit des Publikums“, beschreibt der Historiker Bernd Sösemann die Zeremonie in seinem Artikel „Wie die Nazis ihr Erntedankfest erfanden“ („Welt-Online“ vom 14. Oktober 2008). Das Ritual auf dem Bückeberg zählt für Historiker heute mit zu den „Orten des schönen Scheins“.

In den letzten Jahrzehnten wurden Brauchtumsfeiern überwiegend von völkischen und heidnischen Gruppen im Kern der Neonazi-Szene zelebriert. Doch zunehmend beteiligen sich nun auch Anhänger radikaler Freier Kameradschaften an diesen identitätsstiftenden Ritualen.
Auch sie wissen: Bei braunen Kulturevents auf privatem Gelände ist man ungestört unter seinesgleichen. „Dieses Wochenende der Gemeinschaft, der völkischen Tradition, gibt uns allen Kraft“ schwärmt einer der Mitorganisatoren, genannt „Eichenlaub“ im neonazistischen Th***i-Forum.

Vierjähriger Kamerad trägt Tischspruch vor

Wie selbstbewusst sich die neue „NS-Bewegung“ dabei fühlt, zeigt sich daran, dass sie inzwischen auch den Nachwuchs offen miteinbezieht. Zum diesjährigen Erntedankfest auf dem Hof Nahtz im niedersächsischen Eschede brachten ehemalige, verurteilte Gewalttäter wie der Tostedter Stefan Silar ihre Kinder mit.
Der NPD-Funktionär Manfred Börm reiste gar mit zwei Bussen voller Kinder und Jugendlicher an. Auf der Homepage der als gewaltbereit geltenden „Kameradschaft Celle 73“ heißt es: „Die anwesenden Kinder wurden mit einbezogen“, als jüngster Redner dieses Festes habe „ein 4-jähriger Kamerad“ einen Tischspruch vorgetragen.

Dennoch sah das zuständige Jugendamt in Celle keine Handhabe zum Einschreiten gegen die neonazistische Indoktrination. Die lokale SPD-Politikerin Kirsten Lühmann bemühte sich intensiv um Vermittlung. Doch auch die Einsatzleitung der Polizei gab sich bis auf umfangreiche Vorabkontrollen an der Auffahrt zum Nahtz-Hof eher defensiv. „Da keine Tatsachen vorliegen würden, dass dort strafbare Handlungen vorgenommen werden“, so der Polizeisprecher, dürfe es keine „dauerhafte Beobachtung“ geben.

Auf die Frage, ob das Verbot der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ und deren möglicher Nachfolgeaktivitäten von der Polizei überprüft werden würden, hieß es abweichend: man gebe im Bereich der „politischen Bewertung“ keine Auskunft.
So feierten über 150 Neonazis unter anderem aus Tostedt, Stade, Hildesheim, Höxter, Lippe, Schaumburg, Salzwedel, Winsen/Luhe, Gifhorn, Braunschweig, Rendsburg, Hannover, dem baden-württembergischen Mosbach, Hameln und Soltau-Fallingbostel ungestört mit großem Festzelt, Erntekrone und sportlichem „Kräftemessen“. Bei Bier und Lagerfeuer, mit „völkischen Gedichten“ und Musik des Liedermachers Torstein aus Thüringen klang die „Feierstunde“ nach Neonazi-Angaben aus.

Image des netten Bauern von nebenan

Erstmalig war eine Mahnwache in Sichtweite der Auffahrt zum Neonazi-Gelände in Eschede organisiert worden. Noch am Vorabend waren die Veranstalter unter anderem aus den Reihen des Arbeitskreises „Gegen Extremismus“ in Eschede, der Kirche, vom Celler Forum gegen Rechts und vom DGB dann jedoch von der Polizei aufgefordert worden, ihre Protestaktion von der Landesstraße 281 weiter weg ins Ortszentrum zu verlagern.
Die Organisatoren, mittlerweile erfahren durch den tagelangen Protest in Faßberg, lehnten ab, sie wollten sich nicht abdrängen lassen. Mit lila T-Shirts, auf denen stand „Die Heide blüht lila und nicht braun“, und bunten Transparenten bauten sich ältere Menschen gemeinsam mit jüngeren auf und begrüßten die anreisenden Neonazis mit Pfiffen und Buh-Rufen.
Frauen auf Klappstühlen strickten. Als der Chef des NPD-Ordnerdienstes Börm sich an der Straße aufbaute und die Gegendemonstranten fotografierte, schritt die Polizei nicht ein. Aber einschüchtern lassen wolle man sich in Eschede nicht mehr, so eine der Anwohnerinnen. Seit Jahren konnte Alteinwohner Joachim Nahtz auf eine breite Akzeptanz in dem Heideort zählen. Viele Menschen hatten Angst vor Protest.
Immer mehr Jugendliche aus der Region nahmen an den Brauchtumsfeiern auf dem Finkenberg in Eschede teil, so reisten diesmal mindestens 13 Fahrzeuge aus Celle an. Beim letzten Treffen des Arbeitskreises wurden die Neonazis dann resolut zum Gehen aufgefordert. Sogar ein Konzert gegen Rechts wurde jüngst in die Wege geleitet.

Nahtz’ Image des netten Bauers von nebenan setzt sich als scheinheilig durch. Seine Einladung „für alle“ galt nicht für Medienvertreter. Die seien, so der NPD-Landwirt, „nicht erwünscht“. Unterstützung bei der medialen Berichterstattung über das rechte Treiben auf dem Hof in Eschede lehnte auch die Polizei ab – dabei hatte gerade Bildmaterial von dem anachronistischen Pfingstlager der HDJ im Jahr 2007 für Aufklärung einer breiten Öffentlichkeit gesorgt.

Kameradschaftsanhänger mit Eselsmasken

Ihr Hauptaugenmerk schienen die Polizeikräfte einer anwesenden Hundertschaft eher auf die befürchtete Anreise linker Gegendemonstranten aus Hannover gerichtet zu haben, ließen Beobachter verlauten. So wurde schon mal ein Auto mit „verdächtig“ aussehenden Insassen in „linkem Outfit“ angehalten und kontrolliert.

Die Einsatzleitung gab Order: Journalisten könnten zwar den rund drei Kilometer langen, öffentlichen Schotterweg zum Neonazi-Treffpunkt fahren, aber Schutz würden sie dort nicht erhalten.

Unbeachtet ließen die Verantwortlichen anscheinend die Tatsache, dass es im letzten Jahr einen Angriff auf einen Fotografen gegeben hatte; dass der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hannover jüngst vor der Gewaltbereitschaft der Neonazis aus der Lüneburger Heide gewarnt hatte. Und, dass am Morgen des 26. September dieses Jahres neun Ermittlungsverfahren gegen Anhänger der „Kameradschaft Celle 73“ eingeleitet worden waren.
Sie waren teils mit Eselsmasken durch die Fußgängerzone der ehemaligen Residenzstadt gezogen. Auf ihren Schildern stand: „Ich Esel glaube immer noch, dass die BRD ein Rechtsstaat ist“. Gegen die Neonazis wurden Ermittlungen wegen Verunglimpfung des Staates aufgenommen, sie wurden einige Stunden lang erkennungsdienstlich behandelt. Man habe nicht genug Personal um die Journalisten bis vor den Hof zu begleiten, hieß es lapidar.
So setzte die Stadt Eschede zwar erstmalig Zeichen – doch die Neonazis ließen die niedersächsischen Behörden ohne kontinuierliche Beobachtung gewähren.

 
Gedenkveranstaltung in Eschede
Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 10. August 2009 um 00:00 Uhr

Am gestrigen Sonntag (09.08.09) versammelten sich rund 40 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung im niedersächsischen Eschede. Unter dem Motto "Gegen das Vergessen", sollte an Peter Deutschmann erinnert werden, der dort vor 10 Jahren von zwei Neonazis totgeprügelt wurde.

Zur Gedenkveranstaltung rief das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus sowie der regionale DGB auf. Die Teilnehmer_innen der Veranstaltung kamen nicht nur aus Eschede selbst, sondern auch aus Faßberg, Celle und Lüneburg.
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Nazitreffen entgegentreten!
Geschrieben von: SozialistInnen Eschede   
Freitag, den 19. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Seit Jahrzehnten besteht mit dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede (Niedersachsen) ein Treffpunkt für Neonazis mit überregionaler Bedeutung. An keinem anderen Ort in Norddeutschland finden so häufig und regelmäßig größere Naziveranstaltungen statt. Dies meist ungestört und geschützt durch die Polizei.

Dabei haben die Sonnenwendfeiern im Juni und Dezember besondere Bedeutung bei einer Zelebrierung nationalsozialistischer Ideologie.

Am 20. Juni 2009 wollen Neonazis in Eschede erneut eine "Sommersonnwendfeier" durchführen.

Der Hof von Joachim Nahtz in Eschede entwickelte sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte der norddeutschen Neonaziszene. Zum einen bietet der Schutz des Privatgeländes von Nahtz einen optimalen Rahmen für diese Treffen. Zum anderen zeigt sich aber auch die zunehmende Bedeutung der "Kameradschaft 73 Celle", die die meisten Veranstaltungen dort organisiert, in der norddeutschen Neonazistruktur.

Die "Kameradschaft 73 Celle" ist eine der größeren neofaschistischen Kameradschaften in Niedersachsen. Sie ist Teil des Verbundes "Nationale Sozialisten Niedersachsen", dem zurzeit wichtigsten Netzwerk gewaltbereiter und offen nationalsozialistisch auftretenden Kameradschaftsgruppen in Niedersachsen. Enge Verbindungen unterhält sie auch zur NPD, deren Aktivitäten die Kameradschaft in der Region übernimmt. So traten die beiden Kameradschaftsanführer Dennis Bührig und Klaus Hellmund als Direktkandidaten für die NPD zur letzten Landtagswahl an.

Wichtigste Figur der "Kameradschaft 73" ist Dennis Bührig, der nicht nur deren Anführer darstellt, sondern auch zur Führungsriege der niedersächsischen Neonaziszene zählt. Bührig ist seit Mitte der 1990er Jahre in neonazistischen Kreisen aktiv.

Am Rande eines Naziaufmarsches am 1. Mai 2008 in Hamburg beteiligte sich Bührig an Übergriffen auf Journalisten. Außerdem wollte Bührig als Anmelder des diesjährigen Naziaufmarsches am 1. Mai in Hannover auftreten. Dieser Aufmarsch wurde aufgrund einer positiven Bezugnahme auf den Nationalsozialismus im Aufruf und wegen zu erwartender Gewalttätigkeiten seitens der Neonazis verboten.

Die auf dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede stattfindenden sog. "Brauchtumsfeste", wie Sonnenwend- oder Erntedankfeiern, dienen der Neonaziszene als Treffpunkt und Koordinierungsmöglichkeit. Die völkisch-germanischen Feste sind ideologiebildend und identitätsstiftend und dienen darüber hinaus auch dem Ausleben einer neofaschistischen Ideologie. Außerdem soll der Nachwuchs in die extrem rechten Strukturen eingebunden werden, wobei schon Kinder auf solche Veranstaltungen mitgenommen werden.

Braunes Treiben bei Nazi Nahtz:

Der 1935 in Pommern geborene Landwirt Joachim Nahtz lebt mit seiner Familie auf einem abgelegenen, heruntergekommen Hof zwischen Eschede und Hermannsburg. Schon als 17jähriger trat er der "Deutschen Reichspartei" bei, wechselte dann zur NPD, später zu den "Republikanern", um 2005 wieder der NPD beizutreten. Das langjährige NPD-Mitglied kandidierte 2005 zur Bundestagswahl und 2008 zur Niedersächsischen Landtagswahl für die NPD. Schon sein Vater war in der NPD aktiv.

Nahtz bietet seit Jahren zahlreichen Neonazi-Gruppierungen Platz auf seinem Anwesen für ihre Veranstaltungen. So fanden dort Wehrsportlager statt, wie z.B. 1992 von der später verbotenen "Nationalen Liste" aus Hamburg. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Nahtz Waffen, SS-Liedgut und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Weiterhin fand dort im Dezember 2000 eine Wintersonnwendfeier der "Jungen Nationaldemokraten" statt, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Juni 2000 hatte bereits ein "Sommerfest mit Sonnenwende" der niedersächsischen NPD dort stattfinden können.

Seit 2007 fanden mehrere größere Naziveranstaltungen auf dem Hof Nahtz statt:

25. bis 28. Mai 2007:
Pfingstlager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend". Ungefähr 150 TeilnehmerInnen, vor allem Kinder und Jugendliche.

23. Juni 2007:
Sommersonnwendfeier mit knapp 200 BesucherInnen.

29. Oktober 2007:
Rund 76 Neonazis nahmen an einer "Erntedankfeier" teil.

22. Dezember 2007:
Wintersonnwendfeier mit rund 160 TeilnehmerInnen.

20. Juni 2008:
RechtsRock-Konzert mit 250 BesucherInnen. Es traten mehrere Bands auf.

21. Juni 2008:
Sommersonnwendfeier mit ca. 170 BesucherInnen.

27. September 2008:
Rund 100 Neonazis begehen eine Erntedankfeier, darunter wieder mehrere Kinder.

20. Dezember 2008:
Wintersonnwendfeier mit rund 170 teilnehmenden Neonazis.

21. Februar 2009:
Auf dem Hof findet ein Treffen der Nachwuchsorganisation der NPD, "Junge Nationaldemokraten" statt. 30 Personen nahmen an dieser Zusammenkunft teil, die der Neuorganisation der JN in Niedersachsen diente.

18. April 2009:
Rund 70 Neonazis kommen zu einer "Solidaritätsfeier" zusammen, auf der Geld für den später verbotenen Naziaufmarsch am 1. Mai in Hannover gesammelt wurde.


Waffen in der Heide:

Nach der letzten Sonnwendfeier auf dem Hof Nahtz, kam es zu mehreren Hausdurchsuchungen bei Neonazis im Landkreis Celle. Dabei stellte die Polizei mehrere Waffen sicher. Bei Nahtz selbst wurde am 18. März 2009 ein Karabiner gefunden. Weitere Waffen fand die Polizei bei mehreren Durchsuchungen, die sich gegen eine Wehrsportgruppe aus der Region Winsen/Aller und Wietze richteten. Bei Razzien im Dezember 2008 wurden u.a. ein G3-Sturmgewehr und ein Kleinkalibergewehr gefunden. Im März wurden bei weiteren Razzien gegen die Gruppe neonazistisches Propagandamaterial, Softairwaffen, mehrere Schreckschusspistolen, ein Luftgewehr, Messer, Schwarzpulver und Dekowaffen beschlagnahmt. Kopf der Neonazigruppe, die sich "Division 88", ist ein 28-jähriger ehemaliger Bundeswehrsoldat. Angehörige dieser Gruppe nahmen auch an Veranstaltungen in Eschede teil.

Gegen das Vergessen!

Am 10. August 1999 wurde der Escheder Peter Deutschmann von den beiden Escheder Nazi-Skinheads Marco Siedbürger und Johannes Markus K. getötet. Die beiden Nazis wurden zu fünfjährigen Haftstrafen verurteilt. Marco Siedbürger schloss sich nach seiner Haftentlassung der Schaumburger Naziszene an und verbüßt zurzeit wieder eine Haftstrafe. Immer wieder nahm er an Veranstaltungen auf dem Hof Nahtz teil.

Der Mord an Peter Deutschmann und andere neofaschistische Morde und Gewalttaten sind die Konsequenz einer faschistischen Ideologie, die auch während der Veranstaltungen auf dem Hof von Joachim Nahtz propagiert wird.

Das Schweigen beenden!

Bislang konnten sich die Neonazis relativ ungestört in Eschede treffen. Nur gelegentlich beobachteten Journalist_innen das Treiben und die Polizei überwachte die Veranstaltungen. Erst im Jahr 2007 kam es zu ersten Protesten gegen die Naziveranstaltungen. Am 23. Juni 2007 veranstaltete ein "Bürgerschaftliches Bündnis gegen Rechts" ein Johannisfeuer, die christliche Antwort auf das heidnische Sonnenwendfeuer. Am 22. Dezember 2007 protestierten dann noch einige wenige Menschen - am Zufahrtsweg zum Hof Nahtz - gegen die stattfindende Wintersonnwendfeier. Außer einigen Erklärungen seitens der offiziellen Politik in Eschede, wurden die Treffen auf dem Hof Nahtz jahrelang stillschweigend hingenommen.

Am 21. Juni 2008 und 20. Dezember 2008 demonstrierten dann jeweils rund 300 Menschen gegen die Nazitreffen in Eschede. Mit den beiden antifaschistischen Demonstrationen wurde zum ersten Mal lauter und deutlicher der Protest gegen die Nazis artikuliert.

---Kundgebung gegen das Nazitreffen---
Samstag, 20. Juni 2009
16 Uhr
Bahnhofstr./Ecke Am Glockenkolk
Eschede

Zur Kundgebung laden der DGB und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus ein. Im Anschluss soll es zum Ortsausgang Uelzener Straße gehen, wo eine Kranzniederlegung in Gedenken an Peter Deutschmann stattfinden soll.
Aufruf des DGB: http://antifa-lg.de/docs/090620-b.pdf

Gegen 18 Uhr findet dann noch eine Andacht mit Johannisfeuer statt. Veranstalterinnen sind die örtliche Kirche und der "Arbeitskreis gegen Extremismus".

Nach den antifaschistischen Demonstrationen im letzten Jahr wurden Stimmen laut, dass die Demos keine "angemessene Form des Protestes" seien und sich die Escheder Bürgerinnen und Bürger nicht daran beteiligen würden, weil die Demos von "der Antifa" organisiert wurden. Aus diesem Grund haben die Antifaschistische Aktion Celle und Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen diesmal keine Demo in Eschede angemeldet, um so den Raum für andere Aktionsformen zu öffnen.

Das Problem mit den Nazitreffen in Eschede könnte mensch damit lösen, das der Hof von Joachim Nahtz abgerissen wird, das Gelände umgepflügt und dort dann Bäume gepflanzt werden. Dies scheint zurzeit noch nicht als sehr realistisch, sollte aber als eine Option im Gedächtnis verbleiben. Solange das antifaschistische Abrissunternehmen noch nicht bestellt werden kann, geht es darum, eine langfristige Perspektive zu entwickeln und die verschiedenen Initiativen zusammenführen und langfristig einen gemeinsamen Konsens zu schaffen, der zumindest das Ziel formuliert, die Nazitreffen nicht unbeantwortet zu lassen und nicht die Augen vor den Naziaktivitäten in Eschede und im Landkreis Celle zu verschließen.

Für die anstehende "Wintersonnwendfeier" am 19. Dezember 2009 behalten sich antifaschistische Gruppen vor, wieder mit einer antifaschistischen Demonstration in Eschede auf die Straße zu gehen.


Nazitreffen entgegentreten!
Nie wieder Volksgemeinschaft!

 
Schluss mit den Nazitreffen in Eschede
Geschrieben von: Antifaschistische Aktion Lüneburg / Uelzen   
Montag, den 15. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Seit Jahrzehnten besteht mit dem Hof von Joachim Nahtz in Eschede (Niedersachsen) ein Treffpunkt für Neonazis mit überregionaler Bedeutung. An keinem anderen Ort in Norddeutschland finden so häufig und regelmäßig größere Naziveranstaltungen statt. Dies meist ungestört und geschützt durch die Polizei.
Dabei haben die Sonnenwendfeiern im Juni und Dezember besondere Bedeutung bei einer Zelebrierung nationalsozialistischer Ideologie. Am 20. Juni 2009 wollen Neonazis in Eschede erneut eine "Sommersonnwendfeier" durchführen.

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