Hintergründe:
http://de.indymedia.org/2008/12/234490.shtml Schon vor Beginn der Demo bot sich den Menschen in Eschede ein Schauspiel in blau und grün. Rings um den Bahnhofsvorplatz standen mehrere Einsatzzüge der Bundes- und Landespolizei, dazu drei Wasserwerfer und ein Räumpanzer und den ganzen Tag überflogen zwei Polizeihubschrauber die Gegend.
Durch diesen provokanten Polizeiaufmarsch und die unverhältnismäßigen und zum Teil brutalen Polizeikontrollen sollte die Situation schon vor Beginn der antifaschistischen Demonstration eskaliert werden. Es sollte das Bild von gewalttätigen und bedrohlichen DemonstrantInnen erzeugt werden, um so die Menschen in Eschede von einer Demonstrationsteilnahme abzuschrecken. Nachdem eine antifaschistische Demonstration im Juni in Eschede, trotz vorhergehender Angst- und Diffamierungskampagne seitens der Polizei, im Nachhinein eher positiv aufgenommen worden ist und selbst in der regionalen Presse keine negativen Schlagzeilen hervorrief, sollte diesmal versucht werden, dieses Bild zu ändern.
DemonstrationsteilnehmerInnen die mit dem Zug in Eschede eintrafen, wurden schon auf dem Bahnsteig von Polizeibeamten in Empfang genommen. Bevor zwei größere Gruppen das Bahnhofsgelände verlassen konnten, wurden sie von der Polizei gestoppt und sämtliche Personen sollten einzeln kontrolliert werden. Schon auf dem Bahnsteig wurden die ersten Demonstrationsteilnehmer zur Seite geführt und von PolizistInnen durchsucht. Einigen Personen wurde dann unterstellt, dass sie "verbotene Gegenstände" bei sich geführt hätten. Angeblich hat die Polizei Pfefferspraydosen und Sylvesterknaller auf dem Bahnsteig gefunden. Diese ordneten sie dann wahllos irgendwelchen Antifas zu, die dann vom Bahnhof abgeführt wurden und etwas weiter entfernt nochmals kontrolliert und die Personalien aufgenommen wurden. Ihnen wurde dann auch gleich eröffnet, dass gegen sie Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden.
Eine größere Reisegruppe, die am Bahnhofsgebäude festgehalten worden ist und die auf den Bahnhofsplatz gelangen wollte, ließ sich zunächst nicht unter diesen schikanösen Bedingungen kontrollieren. Die dort eingesetzten Polizeibeamten drängten diese Antifas zunächst wieder Richtung Bahngleis. Da dort auch ICE- und IC-Züge mit hoher Geschwindigkeit durchfahren und durch das massive Zurückdrängen von Seiten der Polizei nicht auszuschließen war, dass Menschen auf die Gleise stürzen, waren die bedrängten AntifaschistInnen kurzfristig hoher Gefahr ausgesetzt. Es entwickelten sich dann schnell die ersten Rangeleien, wobei die Polizeibeamten auch mehrfach zuschlugen.
Selbst der Versammlungsleiter der antifaschistischen Demonstration, der auf die Situation deeskalierend einwirken wollte, wurde geschlagen und anfangs daran gehindert, zu den DemonstrantInnen zu gelangen. Er forderte die Polizei mehrfach auf, die Provokationen zu unterlassen und die Menschen nicht Richtung Schienen zu drängen.
Anstatt die Menschen zu ihrer Demonstration zu lassen, wurden zwei Gruppen eingekesselt und es kam zu weiteren Polizeiübergriffen und Rangeleien. Es dauerte dann noch einige Zeit, bis sich die Situation wieder entspannt hatte und die Polizei die Menschen durchließ. Bei den Personenkontrollen kam es dann noch zu unwürdigen Szenen und sexistischen Übergriffen seitens der Polizei. Mehrere Frauen wurden mit sexistischen Sprüchen beleidigt und besonders am Unterleib "abgetastet". Einige Menschen mussten sogar ihre Hosen bei den Kontrollen öffnen und ihre Schuhe ausziehen.
Nach den anfänglichen Aufregungen konnte die antifaschistische Demonstration dann mit über einer Stunde Verspätung beginnen. Nach einer Auftaktkundgebung ging es dann lautstark zwei Stunden durch den Ort.
Am nordöstlichen Ortsausgang fand dann die Zwischenkundgebung statt. Dieser ungewöhnliche Ort wurde bewusst ausgewählt, da in unmittelbarer Nähe Peter Deutschmann lebte und dort am 10. August 1999 von zwei Naziskinheads ermordet wurde. Mit der Demonstration sollte auch an Peter Deutschmann erinnert werden und den DemoorganisatorInnen war es wichtig, dies genau an diesem Platz zu tun.
Der Escheder Peter Deutschmann wurde von den beiden Escheder Nazi-Skinheads Marco Siedbürger und Johannes K. getötet. Die beiden Nazis wurden zu fünfjährigen Haftstrafen verurteilt. Marco Siedbürger schloss sich nach seiner Haftentlassung der Schaumburger Naziszene an. Er gehört seit Jahren zu den gewalttätigsten Naziaktivisten und war an div. Übergriffen beteiligt. Bis heute zieht es ihn in seine alte Heimat zurück und er ist steter Besucher der Veranstaltungen auf dem Hof Nahtz.
Der Mord an Peter Deutschmann und andere neofaschistische Gewalttaten und Morde sind die Konsequenz einer neofaschistischen Ideologie, die auch während der Veranstaltungen auf dem Hof von Joachim Nahtz propagiert wird.
Während der Zwischenkundgebung wurde nicht nur an Peter Deutschmann erinnert, sondern auch einer der Totschläger näher beleuchtet und die Rolle von Marco Siedbürger in den neofaschistischen Strukturen erläutert. Dies wurde in die gesellschaftlichen Bedingungen eingerahmt und die Ursachen von neofaschistischen Einstellungen und Handlungen aufgezeigt. Auch wurde dazu aufgerufen, am kommenden 1. Mai in Hannover gegen den dort geplanten Naziaufmarsch vorzugehen.
Nach der Zwischenkundgebung ging die Demo durch ein Wohngebiet zurück zum Bahnhof, wo sie dann ohne Störungen beendet wurde.
Am Abend fand dann noch eine weitere Veranstaltung am Escheder Bahnhof statt. Ein neu gegründeter "Arbeitskreis gegen Extremismus" lud die Escheder Bürgerinnen und Bürger zu einer vorweihnachtlichen Kundgebung gegen die Nazitreffen ein. Trotz der kritikwürdigen Namensgebung dieses Arbeitskreises, beteiligten einige AntifaschistInnen an dieser Veranstaltung. Bei der Veranstaltung wurden Weihnachtslieder gesungen und es gab drei Redebeiträge. Positiv hervorzuheben ist dabei der Beitrag vom Samtgemeidebürgermeister, der nicht nur die Hintergründe der Nazitreffen in Eschede anschaulich beschrieb, sondern auch den friedlichen Verlauf der vorher stattgefundenen antifaschistischen Demonstration betonte.
Insgesamt bewerten die OrganisatorInnen der antifaschistischen Demo den Tag als Teilerfolg. Auch wenn das Nazitreffen noch nicht verhindert werden konnte, so kamen zum einen mehr Menschen als erwartet und die Demo konnte trotz der Provokationen seitens der Polizei durchgeführt werden.
Die Antifaschistische Aktion Celle und Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen werden auch in Zukunft gegen die Nazitreffen in Eschede vorgehen, um dem bedeutendsten Nazitreffpunkt in Norddeutschland ein Ende zu bereiten. Dies bedarf sicher eines langen Atems, aber die ersten Schritte sind getan.
In Zukunft muss dabei auch die Rolle der Polizei thematisiert werden, die in Eschede nicht nur als Schutzmacht für die Nazis auftritt, sondern zunehmend auch als politische Partei auftritt, mit dem Ziel gemeinsame Proteste gegen die Nazitreffen zu verhindern.
Da leider nicht davon ausgegangen werden kann, dass am 20.12. das letzte Nazitreffen in Eschede stattfand, werden AntifaschistInnen sicher auch in den nächsten Monaten dort aktiv werden müssen. Um die Nazitreffen letztendlich zu verhindern, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen und einer Vielfalt von Aktivitäten. In einem Flugblatt der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen, welches bei der Kundgebung am Abend verteilt wurde, wurde dies noch einmal betont und deutlich gemacht, das antifaschistische Gruppen aus der Region ihren Teil dazu beitragen werden.
Ein Wiedersehen wird es im Juni 2009 in Eschede geben!