Der Hof von Joachim Nahtz in Eschede entwickelte sich zu einem der wichtigsten Treffpunkte der norddeutschen Neonaziszene. Seit Jahren finden dort solche Veranstaltungen statt. Zum einen bietet der Schutz des Privatgeländes von Nahtz einen optimalen Rahmen für diese Treffen, zum anderen zeigt sich aber auch die zunehmende Bedeutung der "Kameradschaft 73 Celle", die die Sonnwendfeier veranstaltet, in der norddeutschen Neonazistruktur.
Der 1935 in Pommern geborene Landwirt Joachim Nahtz lebt mit seiner Familie auf einem abgelegenen, ziemlich heruntergekommen Hof zwischen Eschede und Hermannsburg. Schon als 17jähriger trat er der "Deutschen Reichspartei" bei, wechselte dann zur NPD, später zu den "Republikanern", um 2005 wieder der NPD beizutreten. Das langjährige NPD-Mitglied kandidierte 2005 zur Bundestagswahl und 2008 zur Niedersächsischen Landtagswahl für die NPD. Schon sein Vater war in der NPD aktiv.
Nahtz bietet seit Jahren zahlreichen Neonazi-Gruppierungen Platz auf seinem Anwesen für ihre Veranstaltungen. So fanden dort Wehrsportlager statt, wie z.B. 1992 von der später verbotenen "Nationalen Liste" aus Hamburg.
Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei Nahtz Waffen, SS-Liedgut und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Weiterhin fand dort im Dezember 2000 eine Wintersonnwendfeier der "Jungen Nationaldemokraten" statt, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Juni 2000 hatte bereits ein "Sommerfest mit Sonnenwende" der niedersächsischen NPD dort stattfinden können.
Allein im Jahr 2007 fanden vier größere Naziveranstaltungen auf dem Hof Nahtz statt. Vom 25. bis 28. Mai 2007 fand dort das Pfingstlager der neonazistischen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) statt. Ungefähr 150 Personen, darunter viele Kinder und Jugendliche, nahmen an einem Zeltlager teil. Am 23. Juni 2007 luden die "Kameradschaft 73 Celle" und die "Nationale Offensive Schaumburg" zu einer Sommersonnwendfeier ein, an der knapp 200 Personen teilnahmen. Am 29. Oktober 2007 fand dort eine "Erntedankfeier" statt, an der ungefähr 76 Neonazis teilnahmen und am 22. Dezember 2007 fand dann noch eine Wintersonnwendfeier der neofaschistischen Szene Norddeutschlands statt. Ungefähr 160 Neonazis nahmen an dieser - von der "Kameradschaft 73 Celle" organisierten - Veranstaltung teil.
Im Landkreis Celle existierte von 1979 bis Februar 1998 ein Neonazi-Schulungszentrum. Auf einem größeren Grundstück, welches den Vereinen des Nazi-Rechtsanwaltes Jürgen Rieger aus Hamburg gehörte, trafen sich jahrzehntelang verschiedenste Naziorganisationen. U.a. führte die 1994 verbotene "Wiking Jugend" ihre Lager dort durch. Nach antifaschistischen Protesten und vielen Medienberichten über das Treiben in Hetendorf, wurden zwei Vereine von Jürgen Rieger verboten und das Nazizentrum geschlossen.
Bislang konnten sich die Neonazis relativ ungestört auf dem Hof Nahtz in Eschede treffen. Nur gelegentlich beobachteten JournalistInnen das Treiben und die Polizei überwachte die Veranstaltungen.
Erst im Jahr 2007 kam es zu ersten Protesten gegen die Naziveranstaltungen. Am 23. Juni 2007 veranstaltete ein Bürgerschaftliches Bündnis gegen Rechts ein Johannisfeuer, die christliche Antwort auf das heidnische Sonnwendfeuer, im Freibad Eschede. Am 22. Dezember 2007 protestierten dann noch einige wenige Menschen - am Zufahrtsweg zum Hof Nahtz - gegen die stattfindende Wintersonnwendfeier.
Nun wollen sich die Nazis erneut in Eschede treffen. Offensichtlich fühlen sie sich auf dem baufälligen Hof und dem zugemüllten Gelände - dem nationalen Schrottplatz - von Joachim Nahtz wohl.
Am 21. Juni 2008 findet in Eschede eine antifaschistische Demo statt, um damit zu beginnen, die Etablierung des größten Nazitreffpunkts in Norddeutschland zu beenden.
Antifaschistische Demonstration in Eschede
21. Juni 2008
14.30 Uhr
Bahnhof